© FX

“Anger Management” klopfte im Vorfeld markante Sprüche und verspricht die volle Packung Charlie Sheen. Doch ist die Sitcom nur ein müder Abklatsch von “Two and a Half Men” oder hat sie wirklich was zu bieten?

Mit Taglines wie “A hostile makeover” und Teaser-Videos, in denen Charlie Sheen den Zuschauer aus einem Sarg angrinst, versucht der Kabelsender FX offensichtlich vom spektakulären Rauswurf seines neuen Stars bei “Two and a Half Men” und den anschließenden Media-Eskapaden zu profitieren. Zur Erinnerung: Im März 2011 musste Sheen seinen Platz als Hauptdarsteller bei “TaaHM” räumen, nachdem er Showrunner Chuck Lorre öffentlich beleidigt hatte. In anschließenden Fernseh-Interviews und Statements bezeichnete er sich selbst als “Rockstar vom Mars” mit “Tiger Blut” und “Adonis DNS” und breitete auf peinlichste Art und Weise sein privates Zusammenleben mit zwei Pornodarstellerinnen in der Öffentlichkeit aus. Dieser mediale Meltdown (Stichwort: WINNING) hat Sheens Popularität jedoch kaum geschadet und so ist es nicht verwunderlich, dass er bei der neuen Sitcom “Anger Management” des US-Kabelsenders FX schnell eine neue Heimat gefunden hat. In den Teaser-Videos verkündet er süffisant “Kommt schon, jeder verdient eine 24. Chance!”, nachdem er im Hintergrund einen Lokomotiven-Unfall verursacht. Das Wort Trainwreck fällt in Verbindung mit seinem Namen hier sicherlich auch nicht zum ersten (oder letzten) Mal…

© FX - Charlie Sheen, Selma Blair

Charlie Goodson (Charlie Sheen) ist ein geschiedener Psychiater, der sich auf Aggressionsbewältigung spezialisiert hat. Er betreut hauptsächlich Gruppen und muss immer wieder feststellen, dass er seine eigenen Wutanfälle – die ihm eine Karriere als Profi-Baseballer ruiniert haben – noch nicht wirklich im Griff hat. Um diesen Zustand zu korrigieren trifft er sich mit seiner guten Freundin Kate (Selma Blair), die ebenfalls Psychiaterin ist. Nebenbei muss er sich noch mit seiner Ex-Frau Jennifer (Shawnee Smith) und seiner pubertierenden Tochter Sam (Daniela Bobadilla) herumschlagen.

Die Serie basiert zwar lose auf dem gleichnamigen Adam-Sandler-Film (dt. Titel “Die Wutprobe”), hat jedoch außer der Prämisse nicht viel mit dem Streifen gemein. Sheen hat offenkundig nicht das schauspielerische Kaliber seines Vorgängers Jack Nicholson, aber dieser Anspruch wird auch gar nicht erhoben. Vielmehr bietet die Serie ordentliche Sitcom-Unterhaltung, die auf vielen Ebenen Parallelen mit vergangenen Sheen-Werken aufweist. Der Haupthandlungsort in “Anger Management” ist von Charlie Harpers Haus in “Two and a Half Men” kaum zu unterscheiden und auch die Geschichte mit der geschiedenen Ehefrau und dem pubertierenden Kind dürfte Kennern der Serie nichts Neues sein. Die Arbeit von Psychiatern sollte Sheen ebenso vertraut sein. Zuletzt wurde er von der großartigen Jane Lynch in “TaaHM” therapiert. Als Ex-Baseballstar (erinnert sich noch jemand an “Die Indianer von Cleveland“?) auf diese Profession umzuschulen erscheint zwar recht unrealistisch, aber wer will da schon kleinlich sein?

© FX - Daniela Bobadilla, Charlie Sheen, Shawnee Smith

An dieser Stelle fragen sich sicher viele Leute, wie groß sind die inhaltlichen Unterschiede zwischen “Anger Management” und “TaaHM”? Die Antwort: Nicht sehr groß. Wer eine intelligente und anspruchsvolle Serie erwartet hat, wird bitter enttäuscht sein. Charlie ist zwar nicht mehr der saufende Weiberheld aus “TaaHM”-Tagen und kommt etwas milder daher, dennoch machen sich die Autoren auch bei FX keine Illusionen darüber, was die Sheen-Fans erwarten und was auch bei “TaaHM” über Jahre hinweg funktioniert hat. Die Gags sind teils gut – wie der amüsante Anfangsmonolog – oft platt und nie richtig schäbig. Sheens sympathisch-dreiste Persönlichkeit wird auch diese Serie problemlos tragen können. Mit Selma Blair (“Eiskalte Engel“) und Shawnee Smith (“Saw“) hat man darüber hinaus noch gute und zugkräftige Nebendarstellerinnen im Gepäck. Dieses Potenzial hat auch FX früh erkannt und hat bei einem Erfolg der ersten Folgen bereits angekündigt satte 90 (!) weitere Folgen von “Anger Management” zu bestellen.

Fazit: Wer ein kühles Bier bereitstellt und sein Hirn auf Raumtemperatur herunter fährt wird seinen Spaß mit “Anger Management” haben. “TaaHM”-Fans können sowieso nichts falsch machen.

Wertung: 7/10

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